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Kunst im öffentlichen Raum




Öffentliche Kunst im 21. Jahrhundert ist weit mehr als uninspiriertes Betongewichse. Vielmehr integriert sie die Bevölkerung, macht die Flaneure und Hetzgurken der Großstadt zu Teilen eines dynamischen Ensembles. Bestes Beispiel ist die Installation „Ein Haus für Goethe“ von Eduardo Chillida. In der Frankfurter Taunusanlage, gleich unterhalb von Manufactum, steht seit 1986 eine begehbare Skulptur, die der baskische Bildhauer ursprünglich aus Eisen anfertigen wollte, bis die Stadt erklärte, daß ihr das zu teuer würde. So entschied er sich für das Medium Beton, dessen nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten Chilida bei diesem Werk fast vollständig ungenutzt ließ. Die 3 x 6 x 8 Meter große monumentale Mini-Skulptur ist nach vorne und oben offen, symbolisch für die offene Gesellschaft bzw. den Arsch. Zwei Flächen werden durch einen Bogen verbunden, stellvertretend für jenen Bogen, den jeder geschmackssichere Mensch um diese Scheußlichkeit machen sollte.

„Goethe“ (im Bild links) kann tagsüber ganztägig und abends nach Vereinbarung besucht werden. Die Leute von der nur 50 Meter Luftlinie entfernten Zentrale der Deutschen Bank geben ihm manchmal große Bündel Altgeld, damit er in kühleren Nächten etwas zum Verfeuern hat. Erwachsene zahlen pro Besuch 2 Euro, Kinder einen hohen Preis.

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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Ich habe das Buch von Olaf Scholz gelesen. Es besteht Grund zur Sorge.

Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...