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Leo Fischer Symbolbild-Syndication Ltd.

Vor einigen Jahren wurde ich Zeuge, wie sich ein mäßig guter Kabarettwitz plötzlich ins feist Materielle hob, so als wären Klischees die wahren Taktgeber des Wirklichen. In Frankfurt-Bornheim stand vor dem Bio-Supermarkt plötzlich ein dicker Flitze-Porsche. Nein, ich weiß nicht mehr sicher, ob er wirklich die Warnblinkanlage anhatte (es scheint mir so im Nachgang, jedenfalls wäre es schön, wenn es so gewesen wäre); nein, ich habe nicht überprüft, ob er im Parkverbot stand; ja, es ist wahrscheinlich nicht mal ein Porsche, liebe Autocracks, aber doch so etwas Ähnliches, wenn nicht Schlimmeres. Maßgeblich und v.a. ulkig fand ich, daß offenkundig jemand sein Siebenlandbauernkörnerbrot sehrsehr schnell haben mußte, ja wirklich mit Überschall- oder wenigstens Turbogeschwindigkeit der Mit- und Umwelt was Gutes tun wollte; daß da jemand keinen Aufschub für seine Nachhaltigkeitsbedürfnisse duldete. So fotografierte ich arglos die Szene.

Tags drauf rief ich meine Berliner Freunde an. Seht ihr, seht ihr! schrie ich stolz. Sie lachten nur. Porsche vorm Biosupermarkt, das sei doch alltäglicher Anblick in der weltoffenen Spaßhauptstadt Germania, ja nicht einmal der Rede wert, ein Firlepups. Ich war gekränkt, resigniert, fühlte mich unendlich provinziell.
Gestern fand ich das Bild beim Archivieren wieder. Ohne besonderes Interesse googelte ich, welcher andere, womöglich hauptstädtische Scherzbold das sogenannte Alltagserlebnis fotografisch festgehalten hatte. Wie aber stutzte ich, als mir die Google-Bildersuche tatsächlich NULL inhaltsgleiche Bilder auswarf. Ich probierte alle Varianten, „porsche biosupermarkt“ und „porsche bioladen“, auch „porsche ökoladen“ und „porsche reformhaus“. Nichts. Mein Foto ist anscheinend das einzige, das einen wichtigen Zusammenhang bundesdeutscher Realität exakt reproduziert.

Deswegen biete ich hiermit der kabarett- und ressentimentverarbeitenden Industrie dieses Foto zum Kauf an - und bestätige zugleich, daß ich beim Bundesamt für Originalideen Bestandschutz angemeldet habe. Den Preis erfahren Sie auf Anfrage. Er wird Ihnen zunächst hoch erscheinen - bedenken Sie aber bitte, daß es sich um sogenanntes Top-Visualizing handelt, für das Sie andernorts sehr viel mehr zahlen müßten. Ich ziele hier besonders auf die Kolumnisten Martenstein und Fleischhauer!

Für die Suchmaschinen hier noch ein paar Schlagwörter:

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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...
Fitness-Armbänder sind die Freundschaftsbändchen der 10er Jahre.