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Streßblick

Ein schönes Phänomen im Deutschland der abschmelzenden Mittelschicht: der Akademiker-Streßblick im Discounter. Herrschaften, die durch ihre Kleidung sonst Distinktion vorschützen, streunen durch die Supermärkte mit den Mienen verwilderter Hunde: die Lefzen hochgezogen, der Unterkiefer leicht entblößt, die Augen starr geradeaus gerichtet, die Designerhandtasche fest an den pilatesgegerbten Leib gekrallt. Ich gehöre nicht hierher, scheinen sie zu sagen, ich habe mich verirrt, ich bin von alldem angeekelt. So ähnlich müssen sich auch die Aristos aufgeführt haben, als sie aus dem revolutionären Frankreich geflohen waren: deklassiert und mit Insignien überholten Prunks ausgestattet, entwürdigt noch um Würde ringend. Denn richtig reiche Leute, die mehr haben als nur einen kümmerlichen Rest an kulturellem Kapital, gehen erstens nicht in Discounter und wenn doch, dann völlig entspannt, ja fast amüsiert: Ihnen kann ja nichts passieren. Wohingegen die Mittelschicht deutlich fühlt, daß sie nur die Vaude-Jacke von  dem um sie her brandenden Meer der Pfennigfuchser trennt - umso bulldoggenhafter müssen sie sie verteidigen.

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Kauft nicht bei Deutschen!

Wegen Ihres November-Covers "Kauft nicht bei Deutschen" erhält die Redaktion der "Konkret" derzeit Post von der scheint's völlig entfesselten Polizei Hamburg. Den zugehörigen Leitartikel hatte damals ich verfaßt; er wird hier ungekürzt wiedergegeben.
SBD - Kauft nicht bei Deutschen!
Dieser Aufruf richtet sich an die deutsche Zivilgesellschaft, vor allem an die hiesigen Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie an alle Gruppen und Personen, die sich dem Frieden™ und der guten Laune verpflichtet fühlen.Es ist der Redaktion dieser Zeitschrift zu Ohren gekommen, daß einige ihrer Leserinnen und Leser immer noch bedenkenlos Produkte und Dienstleistungen konsumieren, die auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches produziert werden. Gutgemeinte Warnkampagnen wie “Made in Germany”, die von ehemaligen Opfern Deutschlands ins Leben gerufen wurden, haben ihre Funktion weitgehend eingebüßt, werden teilweise sogar als geschmackloses Qu…

Endlich

Die Arbeit von zwei Jahren trägt endlich Früchte: Ich kann nun an sieben Punkten der Wohnung sitzender- und liegenderweis mein Handy aufladen, mit diskret vertäuten, stabil konstruierten USB-Kabeln, die nicht plötzlich kaputtgehen oder "verschwinden", "liebe" Übernachtungsgäste. Ich möchte nicht übertreiben, aber der Aufwand entsprach in etwa dem der Sixtinischen Kapelle. Kommende Generationen werden mir danken für dieses Denkmal der Bequemlichkeit.Damit ist meine Aufgabe auf Eurem Planeten erfüllt *beamt sich raus*
Mit den sog. Drogen verbindet mich praktisch nichts. Nie ein Bedürfnis gehabt, nie sonderlich gute Erfahrungen gemacht. Wenn mich Freunde zum Konsum überredeten, lief es meist darauf hinaus, daß wir gemeinsam auf dem Sofa saßen und auf die Wirkung warteten, während ich eigentlich nur ins Internet wollte. Wenn die Wirkung dann endlich eintrat, mußte ich geduldig Gesichtsprickeln, Gedankenwirrsal und den Anblick meiner peinlich entrückten Freunde über mich ergehen lassen; das Bedürfnis nach Internet in dieser Zeit wurde dadurch nur stärker, geradezu quälend. Große Erleichterung, wenn Freund und Rausch dann fort waren und ENDLICH WIEDER INTERNE T