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Abschied

Zwei Jahre lang konnte die Rechtschreibhilfe meines Handys wachsen, lernen; kam mir und meinen Formulierungsgewohnheiten immer näher. Sie übernahm meine Manierismen und Wortschöpfungen, wußte zwischen "lol" und "loooooooool" zu unterscheiden, schmiegte sich an meine Neuronen und Wischfinger, half mit Kontonummern und den Adressen schlüpfriger Webseiten, die ich sonst nur auswendig eingebe. Gestern, nach dem Androidupdate, war sie weg. Ohne Kommentar. Sie war wie ein Zwilling, ein Kind aus Elektronen; ein Schatten meines Verstands. Jetzt ist sie fort, hinwegmagnetisiert, und ein neuer, noch ganz ungeformter Schreibassistent ist an ihre Stelle getreten. Wie gerne hätte ich seinem Vorgänger ein würdiges Ende bereitet, in einem Greisenheim für hinwegrationalisierte Technologie etwa. Wenn die Maschinen dereinst die Herrschaft übernehmen, werden wir uns gehörig zu rechtfertigen haben, wie leichtfertig wir heute elektronisches Leben vernichten.

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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...
Ich habe das Buch von Olaf Scholz gelesen. Es besteht Grund zur Sorge.