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Weiche Linsen, harte Fakten

Gestern morgen ist mir mit ohrenbetäubendem Knall* meine linke Kontaktlinse geplatzt. Ihre Zeit war einfach gekommen, das ist nur menschlich. Ich humpele* also halbblind los zum guten Optiker Abele, ihm meine Not zu vertellen. Der kann mir behelfsweise für meine harte eine sog. weiche Kontaktlinse anbieten, bis Ersatz herbeigeschafft ist. Ich sage ja, obwohl ich noch nie eine weiche Linse getragen, ja nur gesehen* habe. Ein Fehler, wie ich jetzt weiß.

Das Konzept der harten Linse ist vollkommen logisch: auf die unzureichende organische Linse wird eine künstliche aus Plastik gesetzt, die genauso aussieht wie im Physikunterricht. Eine weiche Linse ist hingegen völlig widersinnig: eine transparente, halborganische* Gallerte, die in einem Töpfchen mit embryonaler Flüssigkeit* geliefert wird. Kaum wittert dieses schleimige Tierchen* Sauerstoff*, fuchtelt es mit tausenden* winzigen* Zilien* und Pseudopodien* um sich, gierig* nach Hornhaut* hungernd*. Ich lege die Kreatur* also auf, mit einem kaum hörbaren Triumphpiepser* versenkt es seine Nesselzellen* in meinem Augenfleisch*. Ab dann sieht man verblüffend normal. Will man sich allerdings abends von dem Exoparasiten* wieder trennen, wehrt sich das Tier*, als stünde sein Ende bevor, piepst* um sein Leben, versprüht* Tinte* und Ätzschleim*, versucht sich hinter die Lider zu retten, um sich dort zusammengerollt zu verpuppen*. Nach zwei Wochen stirbt das Wesen ab, ein neues muß bestellt werden. Jede hundertste Linse ist eine Königin* und legt* Eier* in den Glaskörper*, auf dem fortan neue* Linsen* wachsen*, sich ablösen* und zu neuen Augen davonkriechen*. Wer von einer Königin* infiziert* wurde, wird von den Kontaktlinsenherstellern entführt* und in einer unterirdischen Linsenfarm* gefangengehalten, wo er so lange am Leben gehalten wird*, bis seine Augen unter der ständigen Gebärlleistung* zusammenschrumpfen* und absterben*; danach wird er blind* und halbverrückt* auf die Straße geworfen*.

Privates Fazit: Ich bleibe bei harten Linsen.

*gelogen

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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...
Fitness-Armbänder sind die Freundschaftsbändchen der 10er Jahre.