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Ein Leben für Django

"Django - ein Leben für die Musik": Es befällt mich stets eine große Trübsal, wenn sich Künstlerbiographien schon durch derart einfallslose Untertitel selbst diskreditieren. "Ein Leben für die Musik", das soll sich wild und aufregend anhören und läßt sich so doch unter nahezu jedes Musikerporträt schreiben, ohne daß es je richtig würde.

Hat Django Reinhardt wirklich ausschließlich und exklusiv für die Musik gelebt? Jede Sekunde seines Lebens? Hat er nicht unter anderem auch manchmal Frühstück gemacht oder ging ein Fahrrad kaufen? Tat er das auch für die Musik? Gab es vielleicht egoistische Motive, hat er nicht gelegentlich auch Musik gemacht, um Geld zu verdienen, Sexualgefährten anzulocken? Ging ihm nicht auch die Musik, das dröge allabendliche Geschrammel, in schwachen Stunden gewaltig auf den Harnleiter? Hatte er nicht manchmal gut Lust, den ganzen Krempel hinzuwerfen und bspw. Juwelier zu werden? Muß umgekehrt wirklich jeder Künstler von der Nachwelt auf Genie komm raus zum Fanatiker in eigener Sache, zum endlosen Selbstoptimierer und -ausbeuter, vulgo: zum ideellen Gesamtarbeitnehmer stilisiert werden? Hat nicht auch Reinhardt es verdient, sich seiner als Faulenzer, Schnarchsack und legendären Nichtsnutz zu erinnern? Als totale Trantüte? Ich persönlich hätte jedenfalls nichts dagegen, mit "Leo Fischer: Ein Leben auf dem Sofa" gewürdigt zu werden, wenn's denn überhaupt sein muß.

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Kauft nicht bei Deutschen!

Wegen Ihres November-Covers "Kauft nicht bei Deutschen" erhält die Redaktion der "Konkret" derzeit Post von der scheint's völlig entfesselten Polizei Hamburg. Den zugehörigen Leitartikel hatte damals ich verfaßt; er wird hier ungekürzt wiedergegeben.
SBD - Kauft nicht bei Deutschen!
Dieser Aufruf richtet sich an die deutsche Zivilgesellschaft, vor allem an die hiesigen Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie an alle Gruppen und Personen, die sich dem Frieden™ und der guten Laune verpflichtet fühlen.Es ist der Redaktion dieser Zeitschrift zu Ohren gekommen, daß einige ihrer Leserinnen und Leser immer noch bedenkenlos Produkte und Dienstleistungen konsumieren, die auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches produziert werden. Gutgemeinte Warnkampagnen wie “Made in Germany”, die von ehemaligen Opfern Deutschlands ins Leben gerufen wurden, haben ihre Funktion weitgehend eingebüßt, werden teilweise sogar als geschmackloses Qu…

Endlich

Die Arbeit von zwei Jahren trägt endlich Früchte: Ich kann nun an sieben Punkten der Wohnung sitzender- und liegenderweis mein Handy aufladen, mit diskret vertäuten, stabil konstruierten USB-Kabeln, die nicht plötzlich kaputtgehen oder "verschwinden", "liebe" Übernachtungsgäste. Ich möchte nicht übertreiben, aber der Aufwand entsprach in etwa dem der Sixtinischen Kapelle. Kommende Generationen werden mir danken für dieses Denkmal der Bequemlichkeit.Damit ist meine Aufgabe auf Eurem Planeten erfüllt *beamt sich raus*
Mit den sog. Drogen verbindet mich praktisch nichts. Nie ein Bedürfnis gehabt, nie sonderlich gute Erfahrungen gemacht. Wenn mich Freunde zum Konsum überredeten, lief es meist darauf hinaus, daß wir gemeinsam auf dem Sofa saßen und auf die Wirkung warteten, während ich eigentlich nur ins Internet wollte. Wenn die Wirkung dann endlich eintrat, mußte ich geduldig Gesichtsprickeln, Gedankenwirrsal und den Anblick meiner peinlich entrückten Freunde über mich ergehen lassen; das Bedürfnis nach Internet in dieser Zeit wurde dadurch nur stärker, geradezu quälend. Große Erleichterung, wenn Freund und Rausch dann fort waren und ENDLICH WIEDER INTERNE T