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Ein Leben für Django

"Django - ein Leben für die Musik": Es befällt mich stets eine große Trübsal, wenn sich Künstlerbiographien schon durch derart einfallslose Untertitel selbst diskreditieren. "Ein Leben für die Musik", das soll sich wild und aufregend anhören und läßt sich so doch unter nahezu jedes Musikerporträt schreiben, ohne daß es je richtig würde.

Hat Django Reinhardt wirklich ausschließlich und exklusiv für die Musik gelebt? Jede Sekunde seines Lebens? Hat er nicht unter anderem auch manchmal Frühstück gemacht oder ging ein Fahrrad kaufen? Tat er das auch für die Musik? Gab es vielleicht egoistische Motive, hat er nicht gelegentlich auch Musik gemacht, um Geld zu verdienen, Sexualgefährten anzulocken? Ging ihm nicht auch die Musik, das dröge allabendliche Geschrammel, in schwachen Stunden gewaltig auf den Harnleiter? Hatte er nicht manchmal gut Lust, den ganzen Krempel hinzuwerfen und bspw. Juwelier zu werden? Muß umgekehrt wirklich jeder Künstler von der Nachwelt auf Genie komm raus zum Fanatiker in eigener Sache, zum endlosen Selbstoptimierer und -ausbeuter, vulgo: zum ideellen Gesamtarbeitnehmer stilisiert werden? Hat nicht auch Reinhardt es verdient, sich seiner als Faulenzer, Schnarchsack und legendären Nichtsnutz zu erinnern? Als totale Trantüte? Ich persönlich hätte jedenfalls nichts dagegen, mit "Leo Fischer: Ein Leben auf dem Sofa" gewürdigt zu werden, wenn's denn überhaupt sein muß.

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Kauft nicht bei Deutschen!

Wegen Ihres November-Covers "Kauft nicht bei Deutschen" erhält die Redaktion der "Konkret" derzeit Post von der scheint's völlig entfesselten Polizei Hamburg. Den zugehörigen Leitartikel hatte damals ich verfaßt; er wird hier ungekürzt wiedergegeben.
SBD - Kauft nicht bei Deutschen!
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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...