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Es gehört Mut dazu, die Zukunft zu wollen. Wenn wir heute über kurzsichtig benamste Geschäfte wie "Blume 2000" spotten, hat das deshalb auch immer etwas Schäbiges. Die Gründer von "Blume 2000" waren keine Marketingtölpel oder Luftikusse. Sie waren Humanisten, erfüllt von Optimismus und Fortschrittsglauben - sie wollten die Zukunft der Blume schon jetzt, sie wollten verchromte Chrysanthemen vom Aukturn und seltsame Fungi vom Yuggoth statt den Rosentulpennelken-Einheitsbrei! Und zwar für alle! Kaum vermochten sie zu ahnen, daß ihre Unternehmung bis ins 21. Jahrhundert überleben sollte; sie dachten hier, verblüffend genug für einen Discounter, völlig uneigennützig.

Ob den Schweizerischen Nachahmern "Blume 3000" ähnlich edle Motive unterstellt werden können? Das Jahr 3000 ist so lächerlich weit entfernt, die damit zusammenhängenden Ideen verworren; dementsprechend sehen "Blume 3000"-Läden auch aus. "Frisch und fair" - kaum vorstellbar, daß die Quantenwesen des 31. Jahrhunderts noch eine derart tüddelige Konsumentenethik vor sich hertragen. Was hier fehlt, ist die konkrete Utopie, die Naherwartung! Und auch das Risiko des Scheiterns, welches die "Blume 2000"-Leute immer noch, 17 Jahre nach dem Scheitern der floralen Revolution, grimmig vor sich hertragen, Zeugen ihrer eigenen geplatzten Träume. Nein, nimmt man das Versprechen ernst, das einmal in "Blume 2000" lag, sollten sich künftige Blumengeschäfte "Blume 2049" nennen. Vielleicht auch "Blume 2022 - die überleben wollen".  Oder "Blumenflucht ins 23. Jahrhundert". Ja doch.

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Kauft nicht bei Deutschen!

Wegen Ihres November-Covers "Kauft nicht bei Deutschen" erhält die Redaktion der "Konkret" derzeit Post von der scheint's völlig entfesselten Polizei Hamburg. Den zugehörigen Leitartikel hatte damals ich verfaßt; er wird hier ungekürzt wiedergegeben.
SBD - Kauft nicht bei Deutschen!
Dieser Aufruf richtet sich an die deutsche Zivilgesellschaft, vor allem an die hiesigen Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie an alle Gruppen und Personen, die sich dem Frieden™ und der guten Laune verpflichtet fühlen.Es ist der Redaktion dieser Zeitschrift zu Ohren gekommen, daß einige ihrer Leserinnen und Leser immer noch bedenkenlos Produkte und Dienstleistungen konsumieren, die auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches produziert werden. Gutgemeinte Warnkampagnen wie “Made in Germany”, die von ehemaligen Opfern Deutschlands ins Leben gerufen wurden, haben ihre Funktion weitgehend eingebüßt, werden teilweise sogar als geschmackloses Qu…

Endlich

Die Arbeit von zwei Jahren trägt endlich Früchte: Ich kann nun an sieben Punkten der Wohnung sitzender- und liegenderweis mein Handy aufladen, mit diskret vertäuten, stabil konstruierten USB-Kabeln, die nicht plötzlich kaputtgehen oder "verschwinden", "liebe" Übernachtungsgäste. Ich möchte nicht übertreiben, aber der Aufwand entsprach in etwa dem der Sixtinischen Kapelle. Kommende Generationen werden mir danken für dieses Denkmal der Bequemlichkeit.Damit ist meine Aufgabe auf Eurem Planeten erfüllt *beamt sich raus*
Mit den sog. Drogen verbindet mich praktisch nichts. Nie ein Bedürfnis gehabt, nie sonderlich gute Erfahrungen gemacht. Wenn mich Freunde zum Konsum überredeten, lief es meist darauf hinaus, daß wir gemeinsam auf dem Sofa saßen und auf die Wirkung warteten, während ich eigentlich nur ins Internet wollte. Wenn die Wirkung dann endlich eintrat, mußte ich geduldig Gesichtsprickeln, Gedankenwirrsal und den Anblick meiner peinlich entrückten Freunde über mich ergehen lassen; das Bedürfnis nach Internet in dieser Zeit wurde dadurch nur stärker, geradezu quälend. Große Erleichterung, wenn Freund und Rausch dann fort waren und ENDLICH WIEDER INTERNE T