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Es gehört Mut dazu, die Zukunft zu wollen. Wenn wir heute über kurzsichtig benamste Geschäfte wie "Blume 2000" spotten, hat das deshalb auch immer etwas Schäbiges. Die Gründer von "Blume 2000" waren keine Marketingtölpel oder Luftikusse. Sie waren Humanisten, erfüllt von Optimismus und Fortschrittsglauben - sie wollten die Zukunft der Blume schon jetzt, sie wollten verchromte Chrysanthemen vom Aukturn und seltsame Fungi vom Yuggoth statt den Rosentulpennelken-Einheitsbrei! Und zwar für alle! Kaum vermochten sie zu ahnen, daß ihre Unternehmung bis ins 21. Jahrhundert überleben sollte; sie dachten hier, verblüffend genug für einen Discounter, völlig uneigennützig.

Ob den Schweizerischen Nachahmern "Blume 3000" ähnlich edle Motive unterstellt werden können? Das Jahr 3000 ist so lächerlich weit entfernt, die damit zusammenhängenden Ideen verworren; dementsprechend sehen "Blume 3000"-Läden auch aus. "Frisch und fair" - kaum vorstellbar, daß die Quantenwesen des 31. Jahrhunderts noch eine derart tüddelige Konsumentenethik vor sich hertragen. Was hier fehlt, ist die konkrete Utopie, die Naherwartung! Und auch das Risiko des Scheiterns, welches die "Blume 2000"-Leute immer noch, 17 Jahre nach dem Scheitern der floralen Revolution, grimmig vor sich hertragen, Zeugen ihrer eigenen geplatzten Träume. Nein, nimmt man das Versprechen ernst, das einmal in "Blume 2000" lag, sollten sich künftige Blumengeschäfte "Blume 2049" nennen. Vielleicht auch "Blume 2022 - die überleben wollen".  Oder "Blumenflucht ins 23. Jahrhundert". Ja doch.

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Leseprobe: "Waschmaschinen über Prag"

Seit Juni letzten Jahres verfasse ich zusammen mit dem fabelhaften Benjamin Weissinger einen komischen Roman: "Waschmaschinen über Prag", ein Kolossalgemälde des aktuellen Uni- und Jungmenschenmilieus. Ein Riesenspaß, mit dem wir allerdings auch Geld verdienen wollen - wir schreiben hinter einer Paywall bei Patreon. War der Roman ursprünglich dafür gedacht, Leute zu werben, die unseren verkrachten Künstlerexistenzen unter die Arme greifen möchten, ist das Ganze jetzt mehr und mehr ausgeufert; wir denken schon darüber nach, ein Wiki anzulegen. Irgendwann soll das Ganze vielleicht sogar in Druck gehen.

Neue Folgen erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils freitags bei Benjamin und montags bei mir. Wenn Euch die Leseprobe gefällt, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns unterstützt. Auf unseren Patreon-Seiten gibt es außerdem jede Menge anderen amüsanten Unfug, Vorab-Previews, Hinterher-Reviews und ungeschönte Einblicke in die Schmuddelwerkstatt zweier zerfahrener Gestalten.

Wer nicht …
Heinrich Wefing schreibt in der "Zeit":

"Überall in Europa steht der Rechtsstaat unter Druck. Rechte und linke Populisten untergraben seine Fundamente: die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz, die Menschenrechte. Wer sie nicht verteidigt, hilft den Autokraten."

Jaja, wenn eines uns Sorgen machen muß, dann die zahlreichen linken Regime in Europa, von denen das gefährlichste das einer deutschen Linkspartei ist, die regelmäßig sogar Platz vier oder fünf bei Wahlen erreicht. Ihre Vorhaben sind mindestens mit denen Orbáns vergleichbar: jener will gleich die Justiz abschaffen, diese immerhin das Busticket - beides Fundamente unseres Rechtsstaats!

Daß aber einer inmitten eines europaweiten Rechtsrucks den Himmel noch immer voller Hufeisen hängen haben kann, dafür bedarf es wahrscheinlich des kuschelweichen Kokons eines deutschen Qualitätsfeuilletons...
Leute, laßt uns bei all unseren politischen Differenzen bitte stets im Auge behalten, daß wir letztlich alle dasselbe wollen: einen Thermomix