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Denken mit Büchern

So räumen Sie auf im Oberstübchen!

Wer heute ein Hirn hat, trägt damit auch große Verantwortung: regelmäßige Pflege, Denkspoiler, Heißwachs für die Hirnrinde - nichts läuft mehr ohne Mentaltuning. Gebrauchsanweisungen für den grüblerischen Blumenkohl da oben gibt es im gut sortierten Bestsellerhandel. Aber welches Buch paßt zu mir?



Daniel Kahneman:
Schnelles Denken, langsames Denken

Der Autor:
Kahneman (Jg. 1934) ist der freundliche Märchenopa unter den Denkbuchautoren. Mit seinem Wirtschaftsnobelpreis, der auf dem Buchdeckel vermerkt wird, holt er Manager und CEOs ab, die sich einmal mit dem eigenen Gehirn anfreunden wollen.

Das Prinzip:
Unser Denken besteht aus zwei kognitiven Systemen, System 1 und System 2. Das einfältige und leichtgläubige System 1 arbeitet „automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung“. System 2 „lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten“. Kahnemans Buch läßt sich „als ein Psychodrama mit zwei Figuren lesen“. In diesem Verhältnis wäre System 1 der verträumte Teenager, der weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung den Tag vertrödelt, automatisch und schnell auf Reize (Mutti) reagiert (Heulkrampf, Tür zu, an sich rumspielen) und die Arbeit System 2 überträgt (auch Mutti).

Die wichtigsten Erkenntnisse:
Wir überschätzen uns selbst, können die Zukunft nur schlecht prognostizieren, und auch ein leistungsstarker Chef hat meist einfach nur Glück gehabt. Grund: System 1, das die Welt „geordneter, einfacher, vorhersagbarer und kohärenter“ darstellt, als sie tatsächlich ist. Manche Phänomene sind allerdings auch von System 2 nicht lösbar: „Das Phänomen der Regression ist, ganz gleich, ob es unbemerkt bleibt oder falsch erklärt wird, dem menschlichen Geist fremd."

Kniffligste Frage:
Wann wird man eine knifflige Frage eher mit Ja beantworten: Wenn man dabei lächelt oder die Stirn in Falten legt? (Lösung im Buch.)

Diese Organe werden angesprochen:

Herz & Nieren, Runzelstirn, Lächelmund

Verwandte Denker:
Daniel Kehlmann (Namensvetter), Rolf Dobelli (Wurmfortsatz)

Das Buch im Praxistest:
Man stellt seine automatischen Reaktionen in Frage, hat plötzlich Mühe beim Lesen und beim Umblättern, bekommt ein trockenes Gefühl im Mund und wünscht sich, schön auf dem Balkon einen durchzuziehen, während System 2 das Buch für einen durchackert.

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
Streitgespräche zwischen Mensch und Navi, Erich Kästners „Lustige Geschichtenkiste“

Preis:
€ 26,99

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:

253. Kommt Ihnen diese Zahl hoch oder niedrig vor? Sie merken schnell: Es hängt davon ab, wie dick das Buch ist! Unsere Entscheidungen orientieren sich nach dem Durchschnitt. Wenn ich sage, das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ habe 622 Seiten, werden Sie die Zahl „253“ als eher niedrig einstufen. Wenn ich hingegen behaupte, das Buch habe nur 31 Seiten, dann sind Sie reingefallen. Ihr System 1 ist offenbar noch leichter an der Nase herumzuführen, als ich dachte!



Rolf Dobelli:
Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrweg,e die Sie besser anderen überlassen


Der Autor:
Der geistig verwandte Denk-Doyen Nassim Nicholas Taleb schreibt: „Rolf Dobelli ist sowohl mit Sachkenntnis als auch Erfindungsgabe gesegnet – eine seit Ende der Renaissance seltene Kombination“. Wie er auf diesen schulterklopfenden Unfug kommt, weiß sein Schützling Dobelli: „Unterstützen Sie Talente, die besser sind als Sie. Kurzfristig bringen Sie Ihren Status in Gefahr, doch langfristig können Sie nur gewinnen, denn die Verfolger werden Sie irgendwann ohnehin überrunden. Bis es soweit ist, sollten Sie sich besser gut mit ihnen stellen – und von ihnen lernen.“

Das Prinzip:
Um Denkbücher zu schreiben, muß man Denkbücher lesen, mitunter sogar auf englisch. Dobelli hat Kahnemans Buch ("Schnelles Denken, schnelles Kaufen") schon vor einem Jahr erworben und alle Beispiele gestohlen, bevor sie übersetzt waren: das Beispiel mit dem verkleideten Gorilla, das Beispiel mit dem Tennisball, der in Wirklichkeit nur 5 Cent kostet, das Beispiel, in dem London bombardiert wird etc. (Vgl. S. 39, S. 45, S. 53ff., S. 93, S. 165)

Die wichtigsten Erkenntnisse:
Erkenntnis 1: „Es gibt zwei Arten des Wissens: jenes, das sich in Worte fassen läßt – und das andere. Wir tendieren dazu, das in Worte gefaßte Wissen heillos zu überschätzen“ (S.142).
Erkenntnis 2: „Ja, es gibt nichts Besseres als Bücher, um die Welt zu verstehen“ (S. 212).
Erkenntnis 3: Unser Bewußtsein gaukelt uns kohärente Texte vor, selbst wenn der Autor das Gegenteil von dem behauptet, was er 70 Seiten zuvor noch hingeschrieben hat.

Kniffligste Frage:
„Das Gesetz der kleinen Zahl ist nichts, was wir intuitiv begreifen“, „Das Will-Rogers-Phänomen ist nicht intuitiv verständlich“ – schließt dieses „wir“ Dobelli mit ein? Anders gefragt: Sind seine Leser dümmer als der Autor, oder hält sich das die Waage?

Diese Organe werden angesprochen:
Darm

Verwandte Denker:
Karl-Theodor zu Guttenberg, Paulo Coelho, Daniel Kahneman (Wirtstier)

Das Buch im Praxistest:
fällt durch

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
Kopiergeräte, Seifenblasen, Spam

Preis:zu hoch

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:
Klappentext



Georg Steiner:
Warum Denken traurig macht


Der Autor:
Ein amerikanischer Literaturprofessor, der auf Pressefotos eher verschmitzt denn traurig dreinlinst. Kein Wunder, hat er doch praktisch sein ganzes Geld mit Denken verdient! 2003 erhielt er aus der Hand Joschka Fischers den Börnepreis, wie schon Helmut Markwort oder Henryk Broder - wen dieser Gedanke nicht traurig macht, hat wohl schon keine Tränen mehr.

Das Prinzip:
Steiner zeigt zehn "Quellen der Melancholie", die alle in der Vergeblichkeit des Denkens begründet sind. Egal, wie sehr man auch gegen die Hirnschale andenkt, die Gedanken können einfach nicht schlüpfen, bleiben im Schädel drin und können sich niemandem mitteilen, außer über Sprache, Postkarten, Mobilfunk etc.

Die wichtigsten Erkenntnisse:"Wir können kurzzeitig den Atem anhalten. Es ist jedoch keineswegs evident, daß wir gedankenlos sein können." Ein Satz, der verrät, daß Steiner mit dem Werk Juli Zehs nicht vertraut ist.

Kniffligste Frage:
"Kann das Denken zu einem Laserstrahl gemacht werden?" Gute Frage! Steiners Denken ähnelt eher einem Kind mit Taschenlampe, das im Dunkeln Gespenst spielt, so erratisch ist die Argumentation. Gelegentlich sieht man fast so was wie eine Erkenntnis aufflackern. "Letztlich führt all dies jedoch nirgendwohin."

Diese Organe werden angesprochen:Tränendrüsen, schwarze Galle

Verwandte Denker:
Albert Einstein wird oft zitiert. Überhaupt gilt Steiners unerwiderte Liebe der Naturwissenschaft: So verwechselt er schon auf der ersten Seite dunkle Materie und kosmische Hintergrundstrahlung oder glaubt: "Eine Zeitlang wachsen Haare und Nägel eines Toten noch."

Das Buch im Praxistest:
"Lauschen Sie dem Strom der Gedanken, und Sie werden, in seinem unversehrten Zentrum, Zweifel und Frustration vernehmen", schlägt Steiner vor. Nach einigen Minuten Lauschen stellt sich bei uns vor allem Durst ein. Andere Kunden sind da begeisterter: "Sie werden nach der Lektüre ein anderer sein." (vormals Christian Geyer, FAZ-Redakteur, heute bekannt als Bibi Labelle, Drag-Queen)

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
Trakl-Gedichte, Unheilig-CDs

Preis:
8€ für 124 Seiten - akzeptables Preis-Denk-Verhältnis!

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:
Seite 109, das überflüssige Nachwort von Durs Grünbein.



Christian Hesse:
Achtung Denkfalle. Die erstaunlichsten Alltagsirrtümer und wie man sie durchschaut


Der Autor:
Christian Hesse promovierte in Harvard, lehrte in Berkeley und hat es schließlich zu einer Professur an der Universität Stuttgart geschafft. Er ist ein Mathematik-Zauberer, der uns über 200 Seiten hinweg in die Geheimnisse der Logik einweiht, Wahrscheinlichkeiten erörtert, Syllogismen aufdeckt und den Unterschied zwischen Transitivität und Antitransitivität erklärt. Um einen Eindruck davon zu bekommen, stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie stünden vor drei Türen. Hinter zwei Türen befände sich je eine Ziege, hinter einer der Hauptgewinn. Nachdem Sie eine Tür gewählt hätten, öffnete sich diejenige der übrigen beiden Türen, hinter der sich eine Ziege verbärge. Sollten Sie weiterhin bei Ihrer ursprünglichen Wahl bleiben, oder wäre es sinnvoll, sich jetzt für die dritte Tür zu entscheiden?

Das Prinzip:
„Erstaunliche Alltagsirrtümer“ erweisen sich vor allem in verzwickt konstruierten Ausnahmesituationen.

Die wichtigste Erkenntnis:
„Das Condorcet-Paradoxon tritt in derselben Form auch bei einem bekannten Knobelspiel auf, das je nach Gegend als Ching-Chang-Chong, Schnick-Schnack-Schnuck oder Schere-Stein-Papier bezeichnet wird“ (S. 76).

Kniffligste Frage:
„Jedes Objekt, das entweder die Farbe hat, die ich ausgewählt habe, oder die Form hat, die ich ausgewählt habe, aber nicht beides, ist ein THOG. Ich teile Ihnen mit, daß das graue Quadrat ein THOG ist. Bitte entscheiden Sie für jedes der drei übrigen Objekte: a) definitiv ein THOG b) definitiv kein THOG c) unentscheidbar“ (S. 53).

Diese Organe werden angesprochen:
Kopf, Kopfkratzhand, Knobelspielhand

Verwandte Denker:
Die Prophetin Sibylle

Das Buch im Praxistest:
„¼ (p(KK) + p(KZ) + p(ZK) + p(ZZ) = 1/3
Damit haben wir das Nötige kapiert.“ (S. 88)

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
Rätselhefte mit Druckfehlern, Steuererklärungen, maximalinvasive Hirnoperationen

Preis:
€ 18,00

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:
27,5¼



Christian Hesse:
Das kleine Einmaleins des klaren Denkens


Der Autor:

Der schwäbische Stochastikprofessor kann's nicht lassen! Sein zweites Werk hat der treusorgende Schachspieler und passionierte Familienvater "für Andrea, für Hanna und für Lennard" geschrieben, andere dürfen es aber auch kaufen. Hesse ist nicht nur Leistungsdenker, sondern auch -sportler, betreibt "Fitneßsport und Boxen in überschaubaren Maßen". Es gibt sehr wenig, was Hesse nicht kann; daß er sich trotzdem immer wieder zu uns Tölpeln herabläßt, ist eine nette Geste.

Das Prinzip:
Hesse läßt sich nicht auf eines festlegen, sondern verkündet gleich 22 Prinzipien - das sind immerhin zwölf mehr als bei Steiner! Darunter sind das "Prinzip Unendlicher Abstieg" oder das "Brute-Force-Prinzip". Steiner möchte vor allem unseren Denkmuskel trainieren, da "Denken eine Schlüsseltechnologie des Menschen" ist, "gar die Schlüsselkompetenz für Schlüsseltechnologien". Hesse ist sozusagen der Schlüsseldienst, der mit seinem bornierten Optimismus typisch schwäbischer Prägung erst das Schloß unseres Verstandes knackt und uns dann die Rechnung präsentiert (mit Unbekannten).

Die wichtigsten Erkenntnisse:
"Denken ist eine mentale Aktivität" - wer dies einmal begriffen hat, wird sich künftig davor hüten, sein Hirn mit billigen Rauschmitteln steuern zu wollen: Mentalität wird so nicht entstehen. Hesse möchte uns statt dessen die "Erfolgsgeschichte des mathematischen Denkens" zeigen, die nur zum Teil seine eigene ist (Professur, Bestseller, Stuttgart). "Wenn das Auto fährt, der Flieger fliegt, die Brücke trägt, die Heizung heizt, ist immer Mathematik im Spiel", ebenso wie Chemie, Produktdesign und Public Relations. Und die Juden werden sicher auch ihre Finger drinhaben.

Kniffligste Frage:
"Sind Sie Rechtsneiger oder Linksneiger? Stellen Sie sich vor, Sie küssen jemanden; 64% der Paare neigen dabei den Kopf nach rechts."

Diese Organe werden angesprochen:
Hesse trainiert nicht nur die Denk- und Box-, sondern auch die Lachmuskeln! Cartoons, Mathematikerwitze, Donald-Duck-Zitate und lustige Schaubilder zeigen: Denken muß gar nicht traurig machen. In your face, Steiner!

Verwandte Denker:
Turnvater Jahn. Es ist anzunehmen, daß Hesse an der Uni gerne Powerpoint verwendet, mit Bällen jongliert und sich joggend über die Flure bewegt.

Das Buch im Praxistest:
Begleiten wir Hesse auf seinem "Abenteuer des Klügerwerdens", so stellen sich uns schnell wieder gruselige Formeln und krasse Satzmonster in den Weg: "Das Terrain von Unmöglichkeitsbeweisen ist ein lebendiger Tummelplatz von Problemlösetechniken." Nicht jedermanns Sache!

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
In den Beispielen werden meist irgendwelche Parkette gefliest oder Waben gefüllt - wer dieses Buch mag, alphabetisiert auch seine DVD-Sammlung.

Preis:
Nur 14,95€! Mit schlappen siebzig Cent pro Prinzip ist Hesse eindeutig der billige Jakob unter den Think-Writern.

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:
Nach vierzig Seiten dürfte bei den meisten Schluß sein. Die vielen Witze und Cartoons laden jedoch zum Blättern und Schmökern ein. Zum Eindruckschinden bei einer langen Bahnfahrt reicht's, danach kann man es ostentativ aufs Gästeklo legen.



Steven Pinker:
Wie das Denken im Kopf entsteht


Der Autor:
Ein Harvardprofessor der Psychologie, der Evolution und Hirnforschung verbinden will und schon "über 75 Reviewed Papers und über 65 Buchkapitel veröffentlicht" hat, wie die rekordbegeisterte deutsche Wikipedia jubelt. In den USA wird Pinker kritischer behandelt: Seitenweise verteidigt er sich gegen die Unverschämtheiten der Kritiker. Dock kann er "zum Glück berichten, daß die Reaktion auf das Buch insgesamt ungeheuer positiv war und mir eine große Zufriedenheit verschafft hat", ja es ist "dasjenige unter meinen Büchern, auf das ich am stolzesten bin". Denken und Stolz wachsen auf einem Holz!

Das Prinzip:
 "Der Geist ist ein System von Rechenorganen, die durch natürliche Selektion so gestaltet wurden, daß unsere entwicklungsgeschichtlichen Vorläufer damit die Probleme ihres Jägerlebens lösen konnten." Gleich ob Partnerwahl oder Risikoinvestment - immer wieder schafft es Pinker, das Verhalten unserer Mitmenschen pfeilgrad auf die Halbaffen der Urzeit zurückzuführen. Was andere nach zwanzig Minuten RTL2 erkannt haben, walzt Pinker allerdings auf knapp 800 Seiten aus.

Die wichtigsten Erkenntnisse:
 "Der Schneeball ist weich und feucht und kann leicht schmelzen, ob er drinnen oder draußen ist, und wir sehen ihn weiß, ob er drinnen oder draußen ist."

Kniffligste Frage:
Pinker ist besessen vom Thema Sex, ohne den ja die ganze Evolution letztlich keinen Sinn hätte. Insbesondere seine Theorien zur Frau sind offenkundig von persönlichen Enttäuschungen geprägt: "Männer empfinden nackte Frauen als eine Art Einladung, Frauen empfinden nackte Männer als eine Art Bedrohung." Ja es scheint, als sei Pinkers Frauenbild in der Hauptsache auf frigide Trauertrinen zurückzuführen: "Frauen haben kein Bedürfnis nach Darstellungen fremder nackter Männer oder anonymer sexueller Handlungen, und es gibt im Grunde keinen Pornographiemarkt für Frauen." Pinkers Frau gelingt es offenkundig, ihre Spielzeuge und "Feuer der Leidenschaft"-Romane vor ihm zu verstecken.

Diese Organe werden angesprochen:
In Pinkers Evolutionstheorie wird hauptsächlich mit dem Penis gedacht - auch wenn der gelegentlich in verschlungene Richtungen weist: "Die Beziehung zwischen Bruder und Schwester ist mit einer weiteren Komplikation verbunden: Der Bruder ist männlich und die Schwester ist weiblich, und das sind die Zutaten einer sexuellen Beziehung." Leider gibt es im Netz keine Fotos von Pinkers Familienfeiern, obwohl er wohl gerne hingeht: "Wir nehmen die sexuelle Attraktivität von Familienmitgliedern deutlich wahr und erfreuen uns sogar an ihrem Anblick." Brrr! Allerdings: "Die Zuneigung und Wertschätzung der Schönheit werden nicht in den Wunsch nach sexueller Vereinigung umgemünzt." Pech gehabt, Schwesterchen!

Verwandte Denker:
Der Pinker und sein Brain grenzen sich bewußt von ihren Vorgängern, ja von allen anderen Denkern ab: "Jeder einzelne Gedanke in dem Buch könnte sich als fehlerhaft erweisen, aber das wäre ein Fortschritt, denn die früheren Ideen waren so inhaltsleer, daß sie nicht einmal falsch sein konnten." Laut Verlag sollte das Buch zuerst "Wie das Denken in mir, Steven Pinker, entsteht" heißen, das fiel auf der Vertreterkonferenz jedoch durch.

Das Buch im Praxistest:Im Vorwort steht, daß sich Menschen nach der Lektüre entschlossen haben, "wieder zur Schule zu gehen, zu kündigen, wenn sie in einer beruflichen Sackgasse steckten, oder im Leben einen anderen Sinn zu suchen als nur das Geldverdienen". Hat Pinker vielleicht Mitschuld an der US-Wirtschaftskrise?

Kunden, die dieses Denken mochten, mögen auch:
Wer gerne hört, daß Männer im Grunde Steinzeitmonster sind und Frauen verklemmte Schreckschrauben, schätzt sicher auch Mario Barth.

Preis:
Mit 14,99€ für 800 Seiten schlägt Pinker alle Konkurrenten aus dem Feld. Das ist dann aber auch nackter Text - Freunde von Witzen, Waben oder System 2 sind anderswo besser aufgehoben.

Seitenzahl, bei der man entnervt aufgibt:
Im ersten Kapitel steht eigentlich schon alles drin: Steinzeit, Mammut, ugahugah. Bei Hesse lernt man wenigstens noch Brückenbauen und Fliesenlegen. Pinker hingegen hat den Menschen als unverbesserlich abgeschrieben. Wer aber hat Recht?



Leo Fischer / Michael Ziegelwagner
zuerst erschienen in TITANIC 10/2012

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